Tugend und Disziplin - Elisabeth Beyerle, geb. Zehnbauer (1906 - 1987)

Am 22. Dezember 1906 wurde Anna Maria Elisabeth Zehnbauer als zweites von sechs Kindern der Eheleute Johann Heinrich und Franziska in Bensheim an der Bergstraße geboren.

Die Kindheit war durch die Strenge und den harten Alltag des Kaiserreichs geprägt. Die Kinder hatten zur Schule zur gehen, im Haushalt zu helfen, in der Nebenerwerbslandwirtschaft zu arbeiten und, da der Vater hauptberuflich als Postkutscher tätig war, die Pferde zu pflegen.

Das Haus der Familie reichte kaum für die eigene Familie, aber da der Luxus eines Eigenheimes die Familie zum Sparen verpflichtete, musste das Obergeschoss an eine weitere Familie vermietet werden. Sparen und Haushalten, zwei Tugenden, die die junge Elisabeth bis zu ihrem Lebensabend eisern befolgte und die ihr und ihrem Mann in den harten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem kleinen Wohlstand.

Kaiserreich und Kindheit

Ihre Schulzeit war stark vom Ersten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren geprägt. Der Vater war im Krieg und die Kinder mussten der Mutter helfen, die kleine Landwirtschaft in Gang zu halten. Elisabeth - eigentlich nur Lisa genannt - war eine Stütze und dies wurde auch eingefordert. In einer Feldpostkarte vom 22. Juli 1917, die ihr Vater an seine Tochter richtet, gilt zwar die Sorge des Vaters auch der Tochter, die ihren Arm gebrochen hat, aber er hofft insbesondere, dass Lisa bald wieder der Mutter helfen kann. Lisas Schulzeit ist vom Krieg geprägt und so ist es nicht verwunderlich, dass sie sich an der 4. Kriegsanleihe 1916 beteiligen muss.

Ausbildung und "die große Liebe"

Nach ihrer verpflichtenden Schulzeit erlernt sie das Schneiderhandwerk, welches sie an der Bensheimer Nähschule im Jahre 1925 mit dem Gesellenbrief abschließt. Somit steht sie erst einmal auf eigenen Beinen, aber der Zufall will es, dass sie Johann Baptist Beyerle aus München kennenlernt und zu ihm nach München zieht. Ein sehr unterschiedliches Paar, denn während sie genügsam und vernünftig ist, ist ihr Mann nicht nur einer der ersten Nudisten in München und ein hochvergeistigter Phantast, sondern lebt auch seinen Traum als studierter Gartenbauarchitekt und Gartenbauer. Während er seinen Traum träumt, hält sie die Verwaltung fest in Händen.

Wieder Krieg

Die ersten Aufträge sind an Land gezogen, die Baumschule gedeiht und die erste eigene Wohnung ist gemütlich eingerichtet, da kommt der Krieg und zwei Ereignisse zerstören das gemeinsame Glück. Trotz seines hohen Alters, seiner Sehschwäche und seiner Abneigung zu Gewalt wird ihr Mann eingezogen und sie muss den Betrieb selbstständig führen, da erhält die gemeinsame Wohnung in der Nähe des Münchner Ostbahnhofs einen Volltreffer. Auch das muss Lisa alleine regeln und das Paar zieht in die Münchner Regerstraße. 

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Lisas Jugend und ihre damals genossene Erziehung hilft ihr, auch dieses Problem in den Griff zu kriegen. Gemeinsam mit ihrem Mann, der aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt ist, bauen sie den Betrieb wieder und weiter auf. Sie gelangen zu Wohlstand, wobei die Rollenverteilung bis zum Schluss erhaletn bleibt. Seine Ideen und ihr Verwaltunsgeschick bilden eine Einheit.

Die letzten Jahre

Nach dem Tod ihres Mannes gibt sie ihre Wohnung in München auf und zieht nach Wald-Michelbach, wo sie bei ihrer Nichte ihren Lebensabend gut umsorgt verbringen kann. 

Lisa stirbt am 2. September 1987.

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