Der Schräge, der Eigenwillige, der Intellektuelle - Johann Baptist Beyerle (1900 - 1983)

Johann Baptist Beyerle (München 24.11.1900 - München 10.04.1983) war in jeder Hinsicht ein besonderer Mensch. Aus Armut zu Reichtum, vom Kleinbürger zum Nudisten, ein Pazifist und schräger Vogel, wie es kaum vorstellbar ist.
 

Harte Kindheit, noch härtere Jugend

Johann - genannt Hännes - wurde als Sohn eines Rangiergehilfen des Münchner Ostbahnhofs geboren. Seine Familie wohnte in einem typischen Wohnviertel des späten 19. Jahrhunderts und das Geld war knapp. Geboren im Kaiserreich, seine Schulausbildung während des Ersten Weltkriegs beendet, musste er in den harten Folgejahren der Nachkriegszeit und der krisengeschüttelten Weimarer Republik sein täglich Brot verdienen. 

Gärtner will er werden und sein, aber in Zeiten von Weltwirtschaftskrisen...

Seine Lehre und seine Anschlussbeschäftigungen - die Unterlagen existieren heute noch - sind von stetigem Wechsel des Arbeitsplatzes geprägt. Von 1915 (Beginn seiner Lehre) bis ins Jahr 1927 wechselte er neunmal den Arbeitgeber. Größtenteils arbeitet er in München und dem Münchner Umland, aber er tritt auch eine Arbeitsstelle in Norddeutschland an. 

Die Gesundheit - seine Achillesferse 

Auch wenn Nachweise fehlen, so war Johann Baptist Beyerle sein ganzes Leben schwächlich. Vermutlich waren es die ärmlichen Verhältnisse und die Kriegsjahre, die seine Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen haben. Typische Lungenkrankheiten und Folgekrankheiten dürften der Grund gewesen sein. Nachweisbar sind 13 Krankmeldungen in den Jahren zwischen 1921 und 1929 und langfristige Krankenhausaufenthalte in den 1930er Jahre.
 

Schwacher Körper - starker Geist 

Johann entschloss sich ab 1929 seine Volksschulbildung zu erweitern und er schaffte die Allgemeine Hochschulreife auf der Abendschule. Danach folgte das Studium an der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan und er wurde Gartenbauarchitekt. Aber auch diese Zeit war von vielen Krankenhausaufenthalten geprägt.
Nebenbei zeigt er steigendes Interesse an Literatur zu modernen Lebensformen wie zum Beispiel der Freikörperkultur - er schließt sich dieser Bewegung an und lebt sie auch aus. Ungewöhnlich zur damaligen Zeit.

Gartenbau Beyerle - die ersten Aufträge

Nach seinem Studium schafft er es die ersten Aufträge in München zu akquirieren und er wird auf diese Kontakte nach dem Krieg zurückgreifen können, wenn die Zeit des Wiederaufbaus und der großen Grünanlagen in den neuen Wohnquartieren anbricht.

Der Krieg ist da - aber er will nicht! Gartenbau in Uniform!

Kaum hatte er sein Studium abgeschlossen, seine ersten Aufträge erfolgreich abgearbeitet, da musste er zur Wehrmacht - Den Bock zum Gärtner gemacht! Neben seiner schlechten Konstitution entsprach der Krieg und die Uniform überhaupt nicht seinen Vorstellungen und er traf die wohl mutigste und beste Entscheidung, die er treffen konnte: Er verweigerte das Schießen. Die Veterinärseinheit ließ ihn gewähren und man nutzte seine Ausbildung, um ihn hinter der Front Gemüse anbauen zu lassen. Riesige Felder zur Versorgung der Truppen. Am Ende des Krieges geriet er in russische Gefangenschaft und diese sollte ihn bis an sein Lebensende zeichnen. Völlig unterernährt und entkräftet gelangte er nach Deutschland. Zwischenzeitlich war seine Wohnung, die er sich mit seiner Bensheimer Frau Elisabeth Beyerle (geb. Zehnbauer) in München eingerichtet hatte, ausgebombt worden.

Das Wirtschaftswunder - Gartenbau und Baumschule

Nach seiner Erholung und einer neuen Wohnung in München baute er sein Geschäft stetig aus. Eine große Baumschule in Zorneding (östlich Münchens) ergänzte seinen Gartenbaubetrieb. München lag noch in Schutt und Asche, die Stadt wuchs und neue Stadtteile wurden geschaffen und Johanns Gartenbaubetrieb war bei der Schaffung der Grünanlagen dabei. Ein lukratives Geschäft. Das kinderlose Ehepaar lebt bescheiden, extrem bescheiden, aber sie erreichen Wohlstand.

Mitte der 1970er Jahre  - Ruhestand - Die letzten Jahre

Der kleine Wohlstand ermöglichte es dem Ehepaar ein kleines Reihenhaus in Heppenheim zu erwerben und näher bei der Familie der Ehefrau in Bensheim zu verweilen. Der Hauptwohnsitz verbleibt allerdings in ihrer Münchner Gemeindesiedlung. 

1983 verstirbt Johann, seine Frau zieht in den Odenwald.

Filme - leider ohne Ton
 
Es gibt nur wenige Momente, die von "Hännes" als bewegte Bilder aufgezeichnet werden konnten. Damals noch auf 8mm Filme ohne Ton. 

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