Der Denker und "Revoluzzer" - Franz Xaver Stoll (1834 - 1902)
Das hatte seinen Grund, denn er musste sich immer durchkämpfen, seine Kindheit - viel ist nicht bekannt - im schönen Mainz, als Sohn eines Kirchenbeamten, war bestimmt sicher jedoch nicht sorgenfrei, denn er verlor im alter von 11 Jahren seine Mutter, aber was dann folgen sollte, prägte ihn doch sehr.
Studium
Seine Schulausbildung war tiefgründig und so konnte er nach seiner Schulzeit am Gymnasium in Mainz in Bonn und Gießen zuerst Klassische Philologie, dann Mathematik und Naturwissenschaften studieren.
Kaum hatte er im Alter von 20 Jahren die Universität Bonn bezogen und mit seinen Studien begonnen, verstarb sein Vater, und Franz Xaver musste nach Mainz zurückkehren, um die väterlichen Geschäfte zu regeln. Um sein Studium fortsetzen zu können, vertraute er sein Erbe einer ihm bekannten Familie zur Verwaltung an und kehrte nach Bonn zurück. Im Verlauf seiner Studienzeit in Bonn erkrankte er schwer und lebensgefährlich an Typhus. Während seiner Erkrankung wurde er durch seinen Bonner Wirtsleuten seiner Habe, vornehmlich des Erbes seiner Mutter, beraubt und musste nach seiner Genesung geschwächt nach Mainz zurückkehren, um dort festzustellen, dass die Verwalter seines Erbes in Konkurs geraten waren und er auch das väterliche Erbe durch Pfändung gänzlich verloren hatte. Mittellos kehrte er zurück und schloss sein Studium ab.
Erst Promotion dann Lehrer in Bensheim
1856 trat er seinen Dienst als Akzessist am Gymnasium in Gießen an und promovierte 1857. Noch im selben Jahr, am 30. April 1857, wurde er mit einer provisorischen Verwaltung einer Lehrstelle am Gymnasium in Bensheim betraut. Erst am 10. Februar 1865 erhielt er eine Festanstellung.
Stolls Studium in Klassischer Philologie und den Naturwissenschaften ermöglichten ihm, in allen Jahrgangsstufen des Gymnasiums in den Fächern Deutsch, Latein, Griechisch, Geographie, Mathematik und Naturkunde (Physik; Biologie) zu unterrichten. Er verfasste sehr viele der damals zum Abschluss des Schuljahres und der Prüfungen in den sog. Rede-Acten zu findenden wissenschaftlichen Abhandlungen, diese sowohl über philologische als auch über naturwissenschaftliche Inhalte.
Fakten, Fakten, Fakten - Nur die Wissenschaft zählt
Für das Bensheimer Gymnasium brachte Stoll die Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichts, wobei er dabei nicht auf die zur Anschaffung von Unterrichtsmaterialien nötige Vorgehensweise achtete, sondern nach unterrichtlichen Notwendigkeiten und Bedarf handelte. Generell schienen ihm vorgefertigte Meinungen und Vorgehensweisen suspekt, zeugt doch eine Auseinandersetzung mit dem Klerus, ausgelöst durch seine moderne, wissenschaftlich orientierte Auslegung der Erdgeschichte – „Religionswidrige Äußerungen des Dr. Stoll vor den Schülern 1863“ – von seiner fortschrittlichen Orientierung.
Bis zu seinem Tode lieferte er regelmäßig Beiträge zu mathematischen Zeitschriften in Deutschland, Frankreich und England, so z. B. an die mathematischen Annalen von „Clebsch und Neumann“, an die „Zeitschrift für Mathematik und Physik von Schlömilch und Cantor“. In J.C.V Hoffmanns „Zeitschrift für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht“ hat er bis zum Jahre 1898 nicht weniger als 95 Aufgaben eingesandt. Nur zwei Gelehrte lieferten mehr Beiträge: Schlömilch mit 167 und Dr. Emmerich (Mülheim an der Ruhr) mit 122 Aufgaben. Indessen enthält noch die letzte Nummer dieser Fachschrift 14 Beiträge von Stoll. Mit Hoffmann, Emmerich und Müsebeck gab er im Jahre 1898 die „Sammlung der Aufgaben des Aufgaben-Repertoriums der ersten 25 Bände“ genannter Zeitschrift heraus. Er unterhielt Kontakte zu vielen europäischen und nordamerikanischen Wissenschaftlern, und seine Abhandlungen wurden in englischen und französischen Fachzeitschriften, z. B. dem „L’intermediare des Mathematiciens“, den „Proceedings of the Edinburgh Mathematical Society“ sowie in der von der Londoner Mathematischen Gesellschaft herausgebrachten Zeitschrift, veröffentlicht.
Sein pädagogisches Vorgehen, an dem er festhielt, wurde in Fachkreisen diskutiert. Sein Schulbuch „Anfangsgründe der neueren Geometrie für die oberen Klassen von Gymnasien und Realschulen“, 1872 veröffentlicht, orientiert sich an handlungs- und schülerorientierten Grundsätzen.
Professor, Philippsorden und Pension
Im März 1882 wurde ihm der Titel „Professor“ und am 19. Juli 1893 das Ritterkreuz des Philippsordens 1. Klasse verliehen. Am 1. August 1893 wurde er auf eigenes Drängen unter Anerkennung treuer Dienste in den Ruhestand versetzt.
Kind und Kegel
Stoll heiratete am 4. August 1874 Katharina Stoll, geborene Mohr. Er hatte mehrere Kinder, die, bis auf seinen Sohn Joseph Stoll, bereits als Kinder verstarben.
Franz Xaver Stoll erlitt an Weihnachten 1901 einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte und an dem er am 8. Januar 1902 verstarb.
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Anekdoten - jetzt wird es schräg!
- Sein erstes Bier trank er mit 14 und er machte es sich zur Gewohnheit täglich um 17:00 Uhr (pünktlich!) 3 Flaschen Bier zu trinken... Cognac und andere Spirituosen lehnte er hingegen ab.
- Er besaß eine große Sammlung an Pfeifen, die stets geputzt und gestopft bereitstanden.
- Pro Tag rauchte er 12 bis 15 Zigarren
- Mode... Alles Unsinn: Generell lief er sehr leger herum, höchstens einen Kragen trug er, Halsbinde - wie damals üblich - nur unter Zwang. So musste er einst eine Halsbinde während der Audienz beim Großherzog tragen, die er sofort nach der Ehrung ablegte mit den Worten: "Ach was! dummes Zeug!"
- Er verdiente zwar das Geld, hatte es aber nie bei sich, die Vewaltung war Aufgabe seiner Frau.
- Schüler, die ihn in die Verzweiflung trieben, erhielten den Spitznamen "Rhinozeros" - Es soll viele Rhinozerosse gegeben habe am Bensheimer Gymnasium.
- Als einst ein strenger Herr Oberschulrat eine Visitation abhielt und auch das Konferenzzimmer des Gymnasiums betrat, rümpfte er plötzlich die Nase und bemerkte entrüstet: „Meine Herrn, hier riecht's ja nach Tabak! - Die Herren in Gießen sind nicht gewohnt, im Konferenzzimmer zu rauchen!“ Darauf Stoll in aller Gelassenheit und Seelenruhe: „Mir in Bensheim raache als“.
- Als ihm einst bei einer Unterhaltung ein redseliger Herr fortwährend ins Wort fiel, riß Stoll endlich die Geduld, und er fuhr ihn an: „Wisse Se, wann Se mit mir redde, hawe Se's Maul zu halte!“


